Gedenken an Drogentote – Gedenkfeier am 21. Juli

Anstieg: 13 Drogentote in 2013. Initiativen fordern Ersthelferausbildung und mehr Substitutionsärzte. Gedenkfeier am 21. Juli in Hannover und bundesweit.
Die offene Drogenszene in Hannover ist kleiner geworden. Auch deshalb, weil viele Konsumenten an den Folgen ihrer Sucht bereits gestorben sind. Der Toten soll am 21. Juli bundesweit und auch in Hannover gedacht werden.
Gab es in den 90er Jahren am Cafe Connection hinterm Bahnhof noch rund 300 Nutzer harter Drogen wie Kokain, Heroin und Crack, so sind es heute im Schnitt 70 Menschen, die täglich die Anlaufstelle aufsuchen. „Manche sind aus Hannover weg, manche in stationären Einrichtungen, aber bei so manchem habe ich in den vergangenen 15 Jahren auch mit am Grab gestanden“, sagt Chris Gliesch, leitender Sozialarbeiter im Connection.
Kokain ist billig, Kokain hat Konjunktur. Und wird von vielen neben Heroin, Crack und Medikamenten wie Benzodiazepin gemischt konsumiert. Rund 100 Euro braucht ein durchschnittlicher Drogenkonsument pro Tag für den Rausch. Im Fixpunkt an der Hamburger Allee, dem Partnerprojekt vom Cafe Connection und ebenfalls unter dem organisatorischen Dach STEP, können Drogennutzer unter Aufsicht rauchen, schnupfen, spritzen, rund 16.000 Mal wurde das im vergangenen Jahr genutzt. In 26 Fällen konnten sogenannte Drogennotfälle vor Ort durch geeignete erste Hilfe vor dem Tod bewahrt werden. Drogenkonsum kann tödlich sein, jeder weiß das. Und nicht immer geschieht der Notfall unter Aufsicht. Offiziell 13 Drogentote zählt die Polizeistatistik für das letzte Jahr. Ein deutlicher Anstieg gegenüber 2012. Hätte man Angehörige oder Freunde frühzeitig befähigt, Hilfe im Drogennotfall zu leisten, hätte es weniger gegeben, sind Initiativen überzeugt. „Naloxon ist ein Medikament, dass, rechtzeitig verabreicht, die Wirkung von Heroin unterdrückt und Leben retten kann“, erläutert Gliesch. „Wir fordern von der Politik dringend, in der Hinsicht initiativ zu werden. Außerdem brauchen unsere Kollegen im ländlichen Raum händeringend mehr Substitutionsärzte“, so Gliesch. Die Versorgung mit Ärzten, die Methadon verschreiben, sei nur in Hannover „zufriedenstellend“. Mac

Abschied nehmen und informieren: Am Montag, 21 Juli, ab 15 Uhr neben der Marktkirche. Die Andacht um 16 Uhr hält Diakoniepastor Rainer Müller-Brandes. Dazu Stände von Aids- und Suchthilfe sowie Angehörigenverbänden. Musik: Mandina Milosovic.

Text ist erschienen in: Asphalt Magazin Juli 2014, S.23:
http://www.asphalt-magazin.de/de/77117-Szene-lokalglobal